Kriege, Krisen, Kranke

DIE ZEIT 05/2005

Von der Globalisierung profitieren die wenigsten, der Masse der Bevölkerung bringt sie neues Elend. Überall in Afrika fehlt die erste Voraussetzung für Wohlstand: Ein funktionierender Staat.

Von Bartholomäus Grill

Ausgerechnet Mauritius und Botswana. Eine Insel im Indischen Ozean und ein dünn besiedelter Flächenstaat mit enormen Bodenschätzen. Das sind die Vorzeigestaaten Afrikas. Sie zeigen, dass es in diesem Erdteil erfolgreiche Volkswirtschaften geben kann. Dahinter kommen nicht mehr viele Länder, die Seychellen, Uganda, mit Abstrichen Ghana und Namibia. Und natürlich Südafrika, das einzige Schwellenland südlich der Sahara. Inseln der Hoffnung im afrikanischen Meer der Krisen und Katastrophen. Von den 49 ärmsten Staaten der Erde liegen 33 in Afrika. Im vergangenen Herbst schlug das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) wieder Alarm: Nie waren so viele Afrikaner von Hungersnöten bedroht wie heute. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist auf 46 Jahre gesunken. Aids - fast 30 Millionen Menschen haben sich angesteckt - dezimiert die ökonomisch besonders aktive Altersgruppe zwischen 15 und 49 Jahren. Dennoch wird sich die Bevölkerung, wie die Vereinten Nationen hochgerechnet haben, bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln. 1,8 Milliarden Menschen werden dann auf dem ärmsten Kontinent leben und sich die Ressourcen teilen, die heute schon knapp sind.
Ökonomisch spielen die Länder südlich der Sahara so gut wie keine Rolle mehr, ihr Anteil am Welthandel liegt unter zwei Prozent. Einen Wirtschaftsstandort Afrika gibt es eigentlich gar nicht. Der Schweizer Soziologe Jean Ziegler hat dafür eine treffende Metapher geprägt: Der Kontinent sei »wie ein Floß in der Nacht« _ er treibe ziellos dahin und verschwinde allmählich vom Radarschirm der Welt. Aber die Globalisierung? Was ist mit dem vermeintlichen Wachstumsmotor unserer Zeit? Hat sie nicht auch Afrika Nutzen gebracht?

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